Das Jüdische Viertel Roms ist eines der ältesten der Welt – und einer der stimmungsvollsten, aber oft übersehenen Orte der Stadt. Hier treffen über 2.000 Jahre Geschichte, eindrucksvolle Bauwerke und die berühmte jüdisch-römische Küche aufeinander. Wir zeigen dir, was du im ehemaligen Ghetto sehen und wo du am besten essen solltest. Weitere Stadtteile stellen wir in unserer Übersicht der schönsten Viertel Roms vor.
Geschichte: eines der ältesten Viertel der Welt
Juden leben in Rom seit der Antike – die Gemeinde blickt auf über 2.200 Jahre zurück. 1555 ließ Papst Paul IV. das seit jeher jüdisch geprägte Areal am Tiber ummauern und zum Ghetto erklären: Die Bewohner mussten hinter Toren leben, die nachts geschlossen wurden, ein Erkennungszeichen tragen und durften keinen Grundbesitz haben. Erst mit dem Ende des Kirchenstaates und der italienischen Einigung 1870 wurde das Ghetto aufgelöst und die Mauern fielen. Heute lebt rund um die Synagoge wieder eine große jüdische Gemeinde, und die Gassen sind voller koscherer Läden und Restaurants.
Die Große Synagoge & das Jüdische Museum
Als Symbol des neuen Selbstbewusstseins entstand 1901 bis 1904 die Große Synagoge (Tempio Maggiore) mit ihrer hohen, weithin sichtbaren Aluminiumkuppel – ein Wahrzeichen des Viertels. Im selben Gebäudekomplex befindet sich das Jüdische Museum von Rom, das mit kostbaren Thorarollen, Silberarbeiten und Dokumenten die lange Geschichte der Gemeinde erzählt; auch die kunstvolle Spanische Synagoge gehört dazu. Der Eintritt kostet rund 11 Euro (ermäßigt etwa 5 Euro) und schließt eine Führung durch die Synagoge ein. Geöffnet ist meist Sonntag bis Donnerstag von 10:00 bis 18:00 Uhr (im Winter bis 17:00), freitags kürzer; samstags (Schabbat) und an jüdischen Feiertagen bleibt alles geschlossen.
Weitere Sehenswürdigkeiten im Viertel
- Portico d’Ottavia: die antiken Säulenreste im Herzen des Viertels, einst Eingang zu einem großen römischen Baukomplex.
- Teatro di Marcello: ein antikes Theater gleich nebenan, das mit seinen Bögen wie ein kleines Kolosseum wirkt.
- Fontana delle Tartarughe: der zauberhafte „Schildkrötenbrunnen“ auf der Piazza Mattei aus der Spätrenaissance.
- Die malerischen Gassen rund um die Via del Portico d’Ottavia laden zum Bummeln ein.
Ein Ort der Erinnerung
Das Viertel ist auch ein Ort des Gedenkens: Am 16. Oktober 1943 wurden hier über tausend römische Jüdinnen und Juden von den Nationalsozialisten deportiert. In den Gehwegen erinnern kleine, in den Boden eingelassene Gedenktafeln – die „Stolpersteine“ (Pietre d’inciampo) – vor vielen Häusern an die Opfer. Ein stiller, bewegender Kontrapunkt zum lebendigen Alltag des Viertels.
Die jüdisch-römische Küche
Ein Höhepunkt jedes Besuchs ist das Essen: Die cucina giudaico-romanesca zählt zu den ältesten Küchentraditionen der Stadt. Das berühmteste Gericht sind die Carciofi alla giudia – ganze Artischocken, knusprig frittiert. Dazu kommen frittierter Stockfisch, gefüllte Zucchiniblüten und süße Spezialitäten aus den koscheren Bäckereien, etwa die Ricotta-Kirsch-Torte. Entlang der Via del Portico d’Ottavia reihen sich die Restaurants; beachte, dass viele davon am Schabbat (Freitagabend bis Samstag) geschlossen sind. Mehr zur römischen Esskultur liest du in unserem Überblick zu Essen & Trinken in Rom.
Anreise & Tipps
Das Viertel liegt zentral zwischen dem Largo di Torre Argentina, dem Tiber und der Piazza Venezia – gegenüber der Tiberinsel und nur eine Brücke von Trastevere entfernt. Am einfachsten kommst du zu Fuß vom Campo de‘ Fiori oder mit Tram und Bus bis Largo di Torre Argentina (mehr dazu im Verkehrsmittel-Überblick). Das Viertel selbst kannst du jederzeit kostenlos erkunden. Willst du die Synagoge besichtigen oder koscher essen, meide den Samstag. Plane Zeit fürs Bummeln und für eine Pause in einer der Trattorien ein.
Fazit
Das Jüdische Viertel verbindet wie kaum ein anderer Ort in Rom Geschichte, Gedenken und Genuss – abseits der großen Touristenströme. Wer die Stadt authentisch erleben will, sollte hier unbedingt vorbeischauen. Weitere versteckte Ecken findest du in unseren Rom-Geheimtipps, und den roten Faden für deine Reise liefert der große Rom-Reiseführer.






