Die Katzen von Rom: Warum die Straßenkatzen der Ewigen Stadt per Gesetz geschützt sind

Mitten im historischen Zentrum Roms, keine fünf Gehminuten vom Pantheon entfernt, liegt ein Platz, an dem Touristen stehen bleiben und nach unten schauen. Vier Meter unter dem Straßenniveau liegen die Reste von vier Tempeln aus der römischen Republik. Und zwischen den Säulenstümpfen liegen Katzen in der Sonne. Der Largo di Torre Argentina ist der Ort, an dem Julius Caesar ermordet wurde, und gleichzeitig Heimat einer der bekanntesten Katzenkolonien der Welt.

Für Tierfreunde ist das kein Kuriosum am Rande, sondern ein eigener Grund, nach Rom zu fahren. Dieser Beitrag erklärt, warum Roms Katzen einen rechtlichen Schutzstatus genießen, wo du die Kolonien findest, was ein Besuch kostet und wie du den Tieren tatsächlich hilfst, statt ihnen zu schaden.

Wie viele Katzen leben in Rom?

Ehrliche Antwort: Niemand weiß es genau. Im Netz kursiert die Zahl von rund 300.000 Katzen im Stadtgebiet, von denen etwa 130.000 in freilebenden Kolonien leben sollen. Diese Angabe wird von Reiseportalen munter voneinander abgeschrieben, eine belastbare amtliche Erhebung dahinter gibt es nicht. Seriös lässt sich nur sagen: Es sind viele, und sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Sicher belegt sind dagegen die Zahlen einzelner Stationen. In der Auffangstation am Largo di Torre Argentina leben dauerhaft rund 200 Katzen. Allein im Jahr 2006 wurden über die Station 2.781 Kastrationen durchgeführt – eine Größenordnung, die zeigt, wie systematisch dort gearbeitet wird.

Das Gesetz, das Roms Katzen schützt

Was Rom von anderen südeuropäischen Städten unterscheidet, ist der rechtliche Rahmen. Das italienische Gesetz Nr. 281 aus dem Jahr 1991 regelt den Umgang mit herrenlosen Tieren und räumt freilebenden Katzenkolonien einen bemerkenswerten Status ein: Die Tiere haben das Recht, an dem Ort zu leben, den sie sich gewählt haben, und dort gefüttert zu werden. Eine Kolonie darf nicht einfach vertrieben oder aufgelöst werden.

Praktisch heißt das: Wer eine Katzenkolonie stört, vertreibt oder Futterstellen zerstört, handelt rechtswidrig. Und die Menschen, die sich um die Tiere kümmern – in Rom seit Generationen gattare genannt, wörtlich etwa Katzenfrauen – handeln nicht in einer Grauzone, sondern mit gesetzlicher Rückendeckung.

Getragen wird dieses System vom Prinzip TNR, kurz für trap, neuter, return. Die Tiere werden eingefangen, kastriert, medizinisch versorgt und anschließend wieder an ihrem angestammten Ort freigelassen. Ziel ist nicht die Entfernung der Kolonie, sondern ihr allmähliches Schrumpfen ohne Tötung.

Torre Argentina: die berühmteste Katzenkolonie der Welt

Die Station an der Area Sacra di Torre Argentina wurde 1994 von Lia Dequel und Silvia Viviani gegründet. Beide begannen mit dem, was römische gattare seit jeher taten: Sie fütterten die Katzen, die zwischen den Ruinen lebten. Daraus wurde eine feste Einrichtung mit Futterversorgung, tierärztlicher Betreuung und einem Kastrationsprogramm.

Die Lage ist ungewöhnlich. Die Station selbst liegt unterhalb des Straßenniveaus, direkt an der Ausgrabungsfläche. Die Decken sind niedrig – wer über 1,80 Meter groß ist, geht dort streckenweise gebückt. Im Inneren leben die Tiere, die nicht mehr draußen zurechtkommen: alte Katzen, blinde Katzen, Tiere nach Unfällen. Draußen zwischen den Tempelresten leben die, die es können.

Torre Argentina besuchen: Zeiten, Eingang, Kosten

  • Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 18 Uhr
  • Eingang: an der Ecke Largo Arenula / Via Florida, erkennbar am Schild mit der großen Katze – du gehst eine Treppe hinunter
  • Eintritt: keiner. Die Station finanziert sich über Spenden und den kleinen Shop vor Ort
  • Besucherzahl: Es wird in kleinen Gruppen von etwa acht Personen für jeweils rund eine Viertelstunde eingelassen, damit die Tiere nicht in Dauerstress geraten
  • Offizielle Seite: gattidiroma.net

Besucher sind ausdrücklich erwünscht – die Station lebt von ihnen. Wer nicht vor Ort spenden möchte, kann eine Katze aus der Ferne adoptieren: Man übernimmt eine Patenschaft für ein bestimmtes Tier, das in Rom bleibt und dort versorgt wird.

Die Ruinen kosten Eintritt, die Katzen nicht

Hier werden zwei Dinge häufig verwechselt. Die Katzenstation ist kostenlos zugänglich. Die archäologische Anlage, also der Rundweg zwischen den Tempeln, ist seit dem 20. Juni 2023 begehbar und kostet Eintritt. Möglich wurde die Öffnung durch eine von Bulgari finanzierte Restaurierung unter wissenschaftlicher Leitung der Sovrintendenza Capitolina.

  • Eintritt: 7 Euro regulär für Nicht-Ansässige, 4 Euro ermäßigt, Online-Vorverkauf zuzüglich 1 Euro
  • Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen. Im Sommer etwa 10 bis 19 Uhr, im Winter mit deutlich verkürzten Zeiten
  • Besuchereingang: Via di San Nicola de‘ Cesarini, gegenüber Hausnummer 10. Ticketschalter an der Torre del Papito
  • Einlass: in Zeitfenstern alle 20 Minuten, Besuchsdauer rund 45 Minuten
  • Barrierefrei: ja, über Plattformlift und ebenen Rundweg
  • Hunde: nur kleine Hunde und nur in der Transporttasche. Toiletten gibt es vor Ort keine

Mit dem Roma Pass bekommst du den ermäßigten Tarif. Und ganz ohne Ticket geht es auch: Von der Brüstung am Straßenrand siehst du sowohl die Tempel als auch die Katzen – viele Rombesucher machen genau das. Wie sich die Eintrittspreise in Rom insgesamt entwickelt haben, zeigt unsere Übersicht zu den Neuerungen und Eintrittspreisen 2026.

Wo du in Rom sonst noch Katzen triffst

Torre Argentina ist die bekannteste, aber längst nicht die einzige Kolonie. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet Katzen an fast jeder archäologischen Fläche.

  • Cestius-Pyramide: Rund um das antike Grabmal an der Porta San Paolo lebt eine große Gruppe Katzen zwischen Mauerwerk und Grün
  • Kapitol: Auch oberhalb des Kapitolshügels und an den angrenzenden Ausgrabungen sind die Tiere regelmäßig zu sehen
  • Jüdisches Viertel: Das Ghetto beginnt nur wenige Schritte südlich vom Largo Argentina und lässt sich gut mit dem Besuch verbinden

Seit Juni 2026 gibt es sogar eine geführte Lauftour auf den Spuren der Stadtkatzen. Die Route verbindet die Area Sacra mit dem Kapitol, führt am Kolosseum vorbei und endet an der Cestius-Pyramide – also genau an den Punkten, an denen die großen Kolonien leben. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, kann dieselbe Strecke entspannt ablaufen; unsere Rom-Karte hilft bei der Orientierung.

Wie du dich gegenüber Roms Katzen verhältst

Die Tiere sind an Menschen gewöhnt, aber sie sind keine Streichelzoo-Attraktion. Ein paar Regeln, die vor Ort selbstverständlich sein sollten:

  • Schlafende Katzen nicht wecken. Es sind immer welche wach, die Aufmerksamkeit wollen
  • Nicht selbst füttern. Die Kolonien werden kontrolliert versorgt, zusätzliches Futter zieht Ratten an und verdirbt in der Hitze
  • Tiere nicht hochheben und nicht in die Ecke drängen. Zeichen von Unbehagen respektieren
  • Kranke oder verletzte Tiere nicht selbst versorgen, sondern den Freiwilligen vor Ort melden
  • In der Ausgrabungsfläche selbst haben Besucher nichts verloren – der Zugang zum Katzenbereich ist den Betreuern vorbehalten

Nicht alles ist idyllisch

Wer nur die Postkartenversion erzählt, macht es sich zu einfach. Die Station ist auch der Ort, an dem in Rom Katzen abgegeben werden, die niemand mehr will: Muttertiere mit Würfen, alte Tiere, kranke Tiere, Tiere nach Unfällen. Anonyme Aussetzungen sind so häufig, dass die Station die Aufnahme neuer Tiere auf Fälle beschränken muss, für die es keine andere Lösung gibt.

Auch Besucherberichte fallen unterschiedlich aus. Neben viel Lob für die Arbeit der Freiwilligen finden sich Schilderungen von Tieren in sichtbar schlechtem Zustand und von einem Betrieb, der erkennbar am Limit arbeitet. Das ist weniger ein Vorwurf an die Station als ein Symptom: Eine ehrenamtlich getragene Einrichtung, die sich fast vollständig aus Touristenspenden finanziert, kann nur so gut sein wie ihre Mittel. Der römische Hochsommer mit aufgeheiztem Asphalt setzt den Freigängern zusätzlich zu.

Zum größeren Bild gehört, dass Tierschutzorganisationen die Lage in Italien insgesamt kritisch sehen. Vor allem im Süden wachsen die Zahlen der Straßentiere, weil zu wenig kastriert wird – Kastrationen kosten dort bis zu 150 Euro und gelten vielen als unnatürlich. Rom mit seinem organisierten Kolonie-System ist eher die Ausnahme als die Regel.

Wie du wirklich hilfst

Der gut gemeinte Impuls, eine Katze mit nach Hause zu nehmen, ist der falsche. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt den Import von Katzen aus dem Ausland ausdrücklich ab: Katzen lassen sich vor Ort kastrieren und wieder freilassen, und in Deutschland gibt es ein ähnlich großes Straßenkatzenproblem. Wer eine Katze aufnehmen will, findet sie im Tierheim vor der eigenen Haustür.

Was stattdessen hilft:

  • Vor Ort spenden – im Shop der Station oder direkt in die Spendenbox
  • Fernpatenschaft übernehmen für eine bestimmte Katze, die in Rom bleibt
  • Deutsche Vereine unterstützen, die Kastrationsprojekte in Italien finanzieren, statt Tiere zu importieren
  • Kein Futter verteilen, sondern Futterspenden über die Station laufen lassen

Roms Umgang mit Tieren – ein Thema im Wandel

Der Katzenschutz ist nur eine Seite. An anderer Stelle steht Rom in der Kritik: Um die touristischen Pferdekutschen, die botticelle, wird seit Jahren gestritten, und im Sommer 2026 hat die Debatte durch ein virales Video eines zusammengebrochenen Kutschpferds neue Schärfe bekommen. Den aktuellen Stand haben wir im Beitrag zu den Pferdekutschen in Rom zusammengefasst.

Wer Rom abseits der Standardroute erleben will, findet in unseren Geheimtipps und versteckten Orten weitere Ideen – und im großen Rom-Reiseführer alles, was du für die Planung brauchst.

Kurz zusammengefasst

Roms Katzen sind kein Zufall und keine Folklore, sondern das Ergebnis eines Gesetzes, das freilebenden Kolonien ein Bleiberecht einräumt, und der Arbeit von Menschen, die sich seit Jahrzehnten darum kümmern. Der Besuch in Torre Argentina kostet nichts, dauert eine Viertelstunde und ist einer der wenigen Programmpunkte in Rom, bei dem du etwas zurückgeben kannst. Die Ruinen darüber kosten 7 Euro – sehen kannst du beides auch von der Straße aus.

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